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NEWS - "Märchenstunde" im Elterncafé

Das Elterncafé war am 20. November fast traumhaft, denn es wurden Hintergründe und Entstehung von Märchen durch Frau Krüger, die Mitglied in der internationalen Märchenforschung ist, benannt.
Ursprünglich waren Märchen für Erwachsene geschrieben worden. Sie gehen um die Welt, weil die Menschen überall das Gleiche erleben. Die Märchen, die heute gelesen werden, sind Kurzfassungen, welche die Gebrüder Grimm (Jakob und Wilhelm) für Kinder erstellten.
Seitdem werden ihnen Märchen vorgelesen. Insbesondere von Erwachsenen, die für sich selbst einen Nutzen darin sehen.
Märchen beschreiben alltägliche Situationen und Probleme.
Ein Märchen könnte damals z.B. so entstanden sein:
Ein junger Mann, der nach Kanada reist, um dort etwas zu erleben, findet sich abends im Wald wieder. Da es bereits dunkel wird, muss er sein Zelt aufschlagen. Seinen Rucksack nimmt er in sein Zelt. Nachts träumt er, dass ein Einbrecher ihm seinen Rucksack stehlen will. Er ruft im Schlaf: “Pfoten weg!“. Als er morgens wach wird, bemerkt er, dass ihm sein Rucksack fehlt. Er findet ihn einige Meter vom Zelt entfernt. Drum herum erkennt man Bärentatzen. Beeindruckt von sich selbst sagt er zu sich: „und ich habe auch noch gesagt: „Pfoten weg!“. Erleichtert packt er seine Sachen zusammen und setzt seinen Weg durch den Wald fort. In der nächsten Stadt erzählt er dann sein Erlebnis. Seine Zuhörer finden dies sehr spannend und erzählen die Geschichte weiter. Der eine erzählt die Begebenheit vielleicht aus den Alpen, der andere von der Küste.

Aber die Aussagen darin bleiben dieselben:
- Es gilt einen Weg zu beschreiten
- Oft erreicht man sein Ziel nicht sofort
- Manchmal weiß man in dieser Lage gar nicht, wo man sich genau befindet (Wald)
- Gegen unerwartete Gefahren hilft es oft, wenn man einfach Mut beweist
- Wenn man seinen Weg fortsetzt, wird man auch zum Ziel kommen.

Die Gebrüder Grimm mussten manche inhaltlichen Veränderungen vornehmen, damit die Kirche deren Veröffentlichung zustimmte. Märchen spiegeln uns den Stellenwert der Frauen der damaligen Gesellschaft wieder. So gab es Zeiten oder Kulturen, in denen die Frauen verehrt wurden (weil sie die Gebärenden waren) und andere, bei denen die Frau nichts zu sagen hatte. Für die Zukunft der Menschen steht oft der Herd (Ernährung und Wärme) oder die Mühle (Nahrung). Probleme werden in Gestalt von Figuren angesprochen (der Wolf unter dem Bett), wie auch Tiere kleine Helfer oder Hilfen darstellen.
Insgesamt wird die Bildsprache benutzt, denn lesen konnten früher die wenigsten Menschen. So bedeutet das Augenauspicken nicht, dass die Menschen wirklich blind wurden, sondern, dass sie engstirnig waren und nur ihren eigenen Blickwinkel berücksichtigt haben. Wurde jemandem ein Finger abgehackt, so war dies ein Hinweis auf Ungeschicklichkeit.
Man unterscheidet Volksmärchen und Kunstmärchen.
Es sind die Volksmärchen, auf die an diesem Vormittag Bezug genommen wurde.
Diese Art von Märchen ist es auch, die meistens gut endet.
In dem Märchen "der Bärenhäuter", das Frau Krüger direkt als "Männermärchen" bezeichnete, geht es um einen Mann, der aus dem Krieg kommt. Er hat nichts zu verlieren und bekommt vom Teufel ein Angebot mit einer Bedingung. Auch er stellt seine Bedingung. In der Prüfungszeit „kauft " er sich Hilfe und schafft es, seine Probe zu bestehen. Als der Teufel kommt, um seinen Handel abzuschließen, d.h. den Soldaten frei gehen zu lassen, besteht der Soldat darauf, dass auch der Teufel die Bedingungen des Soldaten erfüllt, die er seinerzeit gestellt hatte.
Heutzutage kann man viele Parallelen aus dem Märchen für die jungen Männer finden. Auch sie haben Aufgaben zu bewältigen (Arbeitsplatz finden), oft werden ihnen Angebote gemacht (Kredite), um sich Wünsche zu erfüllen. Der Pferdefuß kommt dann manchmal mit den Zinsen. So werden immer wieder Wege für Lösungen aus Problemen aufgezeigt.
Wir Eltern wie auch die Jugendlichen, die ab und zu sehr still Karten spielten, haben diesen Vormittag sehr genossen.



erstellt von:
I. Surm
am 29.11.08

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