Regenerative Energiegewinnung stand auf dem Lehrplan der Klassen 10FL und 10S.
Der Vater von Lea Auffahrt (10 S) gehört zu 17 Landwirten, die sich zusammengeschlossen haben, um eine Biogasanlage in Westerbeck zu betreiben.
Gern sind wir seiner Einladung zur Besichtigung der Anlage gefolgt.
Die Anlage wirkt wie eine kleine Fabrik. Sie erzeugt so viel Strom, dass 2000 Haushalte damit versorgt werden können. Ausgangsmaterial sind 15000t Mais pro Jahr, die auf 370 ha speziell für die Anlage angebaut werden.
Dieser wird zunächst möglichst unter Luftabschluss auf dem Gelände zwischengelagert, um dann mit Gülle vermischt in Portionen von 35 t pro Tag an die Anlage "verfüttert" zu werden. Der Mais kommt so in die drei jeweils 2000 Kubikmeter große Behälter, in deren unterem Teil er gärt. Die "Arbeitstiere" sind Bakterien, die Methangas als Endprodukt erzeugen.
Die Wohlfühltemperatur der Bakterien ist 38 Grad Celsius, Abweichungen von zehntel Grad lässt sie schon in ihrem Arbeitseifer erlahmen. Das Gas wird in den Kuppeln über den Gärräumen aufgefangen, von wo aus 350 Kubikmeter pro Stunde zu zwei Motoren strömen. Diese betreiben mit einer Leistung von 600 kW die Generatoren zur Stromerzeugung.
Biogasanlagen bieten gegenüber traditionellen Kraftwerken viele Vorteile. Energielieferant ist Jahr für Jahr die Sonne, deren Strahlen vom Mais eingefangen werden. Man muss nicht viele Millionen Jahre warten, bis vielleicht Kohle oder Erdöl entstanden ist. Natürlich müssen die Felder gedüngt werden, denn der Mais entzieht dem Boden ja Mineralstoffe. Aber die bleiben ja nach dem Gärprozess in der Anlage übrig und können wieder auf die Felder ausgebracht werden. Der CO2-Haushalt der Erde wird kaum belastet, denn bei der Verbrennung entsteht zwar CO2, das aber bei der Photosynthese wieder gebunden wird. In der Landwirtschaft anfallende Gülle kann geruchsfrei als Energielieferant dienen und braucht nicht auf Felder gebracht zu werden.
Die Stromerzeugung bietet ähnliche Vorteile wie die bei Blockheizkraftwerken: Die Motorenabwärme kann als Fernwärme genutzt werden, wenn in der Nähe Abnehmer vorhanden sind. Die Nähe zu Wohngebieten erzeugt aber oft Ängste vor einer Geruchsbelästigung. Von einer ordnungsgemäß betriebenen Anlage dürften aber praktisch keine Gerüche ausgehen, denn in den Maislagern sollten keine Gärprozesse stattfinden und das Innere der Gärbehälter muss von der Außenluft getrennt sein.
Bei der Führung wurden aber nicht nur technische Details erläutert sondern auch gesellschaftliche Fragen angesprochen: Während die Biogaserzeugung lokal ein attraktives ökonomisches Standbein für die Landwirtschaft sein kann, zeichnen sich global Probleme für die Welternährung ab, wie die Preisentwicklung für Nahrungsmittel gerade in ärmeren Regionen der Welt zeigt.
Wir danken Herrn Auffahrt und Herrn Schulze für die freundliche und sachkundige Führung, durch die wir viele neue Informationen und Eindrücke gewonnen haben.
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