Albert-Schweitzer-Gymnasiasten malen Westhagen
STADTMITTE. Der sorgfältig geklinkerte Fußweg ist zu einem Fluss geworden, die Hochhäuser zu grünen Wiesen, die Pergola zur Brücke. Natur pur statt Stadt pur. Eine Landschaft dort, wo real ein Einkaufszentrum steht. 12 Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, Schwerpunktkursus Kunst, haben sich im Kooperationsprojekt des Vereins Junge Kunst mit der Landschaft beschäftigt.
Landschaft? Diese Frage beantworten sie klar mit: Westhagen! Da, wo es an Grün fehlt, wo keine Bäume wachsen, kein Rasen zum Verweilen einlädt, haben sie einfach das Fehlende ersetzt. Mit Acrylfarben auf Leinwand. Aber in sehr unterschiedlichen Techniken, mal surreal, mal idyllisch; mitunter düster und bedrohlich dunkel, auch freundlich und einladend hell; überwiegend konkret, aber zumeist die Proportionen aufhebend.
Es sind kritische Bilder, es sind Auseinandersetzungen mit der gebauten Wirklichkeit Westhagens und es sind Wünsche: Der Central Park New Yorks könnte nach Meinung dieser jungen Kunstschaffenden ein Beispiel für die Durchgrünung des Stadtteils sein. Vorerst gibt es das veränderte Westhagen in der Ladengalerie des Vereins Junge Kunst, Schillerstraße 23. Eine "Straße" führt vom Eingang die Treppe hinauf vorbei an den Bildern. Sie sind aufgestellt wie in einem Atelier auf Staffeleien. Jeder Schüler hat jeweils eine gebaut.
Außerdem waren sie draußen inmitten der "von zahlreichen Hochhäusern und den betonierten Wegen und Straßen" geprägten Umgebung des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Sie suchten, sie fanden und sie fotografierten Häuserketten, Plätze, Straßen, Läden, auch Gärten, Wiesen, Bäume und Sträucher, eben die "kleinen schönen Dinge, die es auch gibt". Interessant ist der Vergleich, auch das Rätsel: Auf eine Fotowand haben die jungen Künstler Motive aus Westhagen gepinnt, die sie malerisch verfremdet haben. Da findet sich plötzlich ein Brunnen inmitten einer Parkanlage.
Beängstigend augenlos zeichnet eine Schülerin die Menschen Westhagens: einander fremd, einander gleichgültig, blind gegenüber ihrer Umgebung. Die aber verändern diese Gymnasiasten auch: Sie haben Bäume für Westhagen mitgebracht; klitzeklein aus Folie oder Holz, Papier oder Pappmachee. Und ganz unten findet sich Westhagener Erde.
Simone Arndt (l.) vom Verein Junge Kunst mit den Schülerinnen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in ihrer Ausstellung "Landschaft? - Westhagen!" in der Studiogalerie Schillerstraße 23.
Foto: Bernward Comes
mit freundlicher Genehmigung aus den WOLFSBURGER NACHRICHTEN vom 24.06.2008
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